Von Poschefeuern, Poschejungen und Mädchen

Stadtgeschichte soll auch im neuen Museum – ob analog oder digital – greifbar und erlebbar werden.

Ein wichtiger „Lieferant“ für die Stadtgeschichte ist das Olper Stadtarchiv. Dank der langjährigen historischen Arbeit von Stadtarchivar Josef Wermert für die Stadt Olpe, können alle interessierten Bürgerinnen und Bürger über zahlreiche Publikationen auf einen großen Fundus spannender Geschichte aus Olpe und Umgebung zurückgreifen. Stöbern Sie doch mal selbst ein bisschen auf der Seite Stadtarchiv digital.

Nun verbinden die Osterzeit viele mit schönen Erinnerungen, die auch das Stadtarchiv über die Ausgabe „Olpe – Geschichte von Stadt und Land“ (Band 2, Teilband 2, 2011) über die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts bereithält:

„Umfangreichster Teil der Ausgestaltung des Osterfestes waren die Osterfeuer. In Olpe nennt man sie ‚Poschefeuer‘ oder ‚-füer‘, abgeleitet von Passah, der hebräischen Bezeichnung für Ostern. Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden in der Stadt Olpe drei Feuer, am Hohen Stein, auf dem Imberg und in der Rhonard. Zu ihnen gehörte jeweils eine ‚Poschegesellschaft‘, ein Verein, der sie organisierte. Die Mitglieder (Poschebrüder), waren Junggesellen ab 18 Jahre. Diese besorgten acht bis zehn Wagenladungen Eichen- und Buchenholz, das von (überwiegend vermögenden) Privatleuten gestiftet worden war. Hinzu kam der zentrale Poschebaum, der aus dem Stadtwald (Hardt, Griesemert) geholt wurde. Diesen Baum schlugen die Poschejungen zur damaligen Zeit erst am Ostersamstag gegen 18:00 Uhr und transportierten ihn mit dem Wagen. Auf dem Weg kehrten sie in einer Gaststätte ein, die Hohensteiner in das Hotel Tillmann, wo auch ein Fass Bier angestochen wurde. Zu mitternächtlicher Stunde stimmten sie das Lied ‚Christus ist erstanden‘ an und beförderten den Baum das letzte Stück bis zu einem Platz. Erst am Mittag des Ostersonntags richteten sie ihn auf und stapelten das Holz darum. Anschließend war wieder Zeit für eine Einkehr – die Hohensteiner wählten hierfür das Gasthaus ‚Zur Krone‘ [am heutigen Kurkölner Platz]. Nach Eintritt der Dunkelheit wurden die Feuer schließlich entzündet. […]“

Wenn das Poschefeuer brannte, wurden die über 18-jährigen Mädchen des Dorfes an die Jungen verlost. Oft kamen dabei überraschende Pärchen zustande, die nicht immer nur Begeisterung hervorriefen. War das Feuer abgebrannt, gingen die Poschejungen mit ihren Mädchen um den Baum und sangen wiederum ‚Christus ist erstanden‘.“

Die Anzahl der Poschefeuer ging allerdings mit den Jahren, u.a. durch die zunehmende Bebauung Olpes, zurück. Heute ist auf dem Gallenberg das einzige Osterfeuer in der Innenstadt geblieben.

Wir wissen nicht, welche Erinnerungen der interessierte Leser mit dem Osterfeuer verbindet, aber vielleicht fällt dem ein oder anderen „Poschebruder“ noch eine schöne Geschichte dazu ein? Wir freuen uns über jeden Beitrag – gerne auch über das Kontaktformular!